Frau Hamm

Gesichter der Gemeinde

heute: Svetlana Hamm

Peiner Landstraße... ein sonniger Vormittag im Februar. Frau Svetlana Hamm empfängt mich in ihrem sehr schön renovierten Haus. "Was man doch aus alten Gemäuern machen kann", dachte ich so bei mir. Frau Hamm bittet mich ins Wohnzimmer, das, von der Sonne lichtdurchflutet, noch heller wirkt, als es ohnehin ist. Vorgeschmack auf den Frühling... Ein hübsch gedeckter Tisch mit Kaffee und Kuchen lassen uns schnell ins Gespräch kommen. 1971 erblickte die kleine Svetlana in Engels an der Wolga das Licht der Welt. Hier ging sie vom ersten bis zum siebten Lebensjahr in den Kindergarten, anschließend besuchte sie für zehn Jahre die dortige Gesamtschule. In Russland ist es üblich, bereits im Kindergarten die Musikschule zu integrieren. Das musikalische Talent der kleinen Svetlana wurde früh entdeckt und gefördert. Während der 10-jährigenSchulzeit (5-Tage-Woche) gehörte gleichzeitig von der zweiten bis zur neunten Schulklasse Unterricht an der Musikschule dazu. Das bedeutete: 4 Tage in der Woche Musikunterricht zusätzlich zum normalen Schulunterricht, zusätzlich Hausaufgaben daheim und das 8 Jahre lang! Aber Svetlana hatte sehr große Freude an der Musik. Bereits als 8-Jährige spielte sie Klavier. Bei so großem musikalischem Talent begann Svetlana nach der Schulzeit das Studium zum Lehramt mit dem Schwerpunkt Klavier und Chorbegleitung. Bei einer Kinderferienbetreuung lernte sie "ihren Ivan" , einen Jurastudent, kennen und lieben. Nach 4 1/2 Jahren Studium, im Jahre 1992, heirateten die beiden. Im Jahr darauf wurde die Tochter geboren. Bis 1997 wohnte die kleine Familie in Russland. Der Ehemann und seine Familie sind deutscher Abstammung. Ein bereits in Deutschland ansässiger Schwager überzeugte die kleine Familie samt Schwiegermutter und Schwägerin in Hildesheim einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. In der Gebauerstraße wurde bald eine passende Wohnung gefunden. 1998 komplettierte sich das Glück der Familie Hamm durch die Geburt eines Sohnes. Ivan Hamm musste leider erneut die Schulbank drücken; sein russisches Jurastudium wurde in Deutschland nicht anerkannt. Somit hat er das deutsche Jurastudium nachgeholt. Als die Familie im Pfarramt der Lichtmesskirche vorstellig wurde, um die Kinder zur Taufe anzumelden, bekam sie bald Besuch von dem damaligen Pfarrer Dr. Jeczek. Es wurde ein interessanter Abend. Hatte er doch das Klavier im Wohnzimmer entdeckt und gefragt, ob Frau Hamm nicht in der Lichtmesskirche die Orgel spielen möchte. "Unermüdlich habe ich danach in der Kirche das Orgelspielgeübt; auch die Messliturgie war ein erneuter Lernprozess, da ich der russisch-orthodoxen Kirche angehöre". Auf Geheiß von dem inzwischen zuständigen Pfarrer Dr. Schreer nahm Frau Hamm Orgelunterricht bei den Dommusikdirektoren Bode und Viezenz. Seit dem Jahr 2000 spielt sie regelmäßig in der Lichtmesskirche die Orgel. Im Jahr 2005 bestand sie ihren "C-Schein für Orgel" mit Auszeichnung. Gleichzeitig besuchte sie Schulungen zur Chorleitung, die sie ebenso erfolgreich abschloss. Inzwischen spielt Frau Hamm regelmäßig die Orgel zu den Gottesdiensten auch in der St. Johanneskirche sowie hin und wieder in der Kirche Guter Hirt. Außerdem wird sie immer wieder für Beerdigungen und Hochzeiten angefragt. "Dieses sind keine planbaren Termine. Deshalb kann ich leider keinen Klavierunterricht mehr erteilen, was mir viel Freude bereitet hat." Dank Herrn Kurt Widdel übernahm Frau Hamm im Jahre 2013 die Chorleitung des Kirchenchores St. Johannes. Dieser Aufgabe widmet sie sich sehr anspruchsvoll. "Ich möchte Gutes leisten, aber die SängerInnen müssen ihren Spaß dabei haben. Wenn neues Liedgut zu schwer wird, dann bleiben wir lieber beim alten. Für Hobbys bleibt mir wenig Zeit. Allerdings ist meine Musik mein Hobby". So oft es passt, besucht Frau Hamm ihre Mutter und ihren Bruder in Russland. Zum Abschluss unseres gemütlichen Vormittages bieten wir uns gegenseitig das "DU" an. Nicht selbstverständlich für Svetlana, das "Duzen" ist für sie auch in der heutigen Zeit immer noch etwas ungewöhnlich. Ihre Schwiegermutter spricht Svetlana mit "SIE" an. "Das zeugt von Respekt und Achtung." Danke, liebe Svetlana. Mein "DU" schränkt den Respekt und die Achtung deines Werdeganges und deiner so wertvollen musikalischen Aufgaben in keiner Weise ein. Ganz im Gegenteil, du und deine Familie, ihr habt so viel gewagt, alles Vertraute aufgegeben, euch auf Neues eingelassen. Darauf könnt ihr sehr stolz sein!