Ostergedanken

Lichter der Hoffnung

Wenn etwas Schlimmes passiert ist,zieht es die Menschen oft an den Ortdes Geschehens. Häufig bringen die Menschen Kerzen mit, zünden sie an und stellen sie auf den Boden. Es entsteht eine ganz eigene Atmosphäre: Der Ort bleibt immer noch ein Ort des Grauens, wo Entsetzliches passiert ist und Menschen ums Leben gekommensind. Die brennenden Kerzen bringenein klein wenig Licht und ein klein wenig Trost. Sie sind ein kleines Zeichender Hoffnung, dass die Katastrophe oder das Unglück, die Gewalttat oder das Verbrechen nicht die einzige Wirklichkeit sind. Die kleinen Kerzen geben keine Antwort, wie es weitergehen soll. Sie sind nicht Ausdruck einer unumstößlichen Überzeugung. Sie sind Lichter der Hoffnung. Das Lied „Like a candle in the wind“ („Wie eine Kerze im Wind“) von Elton John ist das erfolgreichste Lied aller Zeiten. Er sang es bei der Trauerfeierfür Lady Diana 1997. Als er mit diesemLied das Leben der Verstorbenen mit einer brennenden Kerze im Wind verglich, berührte er die Herzen derMenschen, die um die Verletzlichkeit des Menschen wissen und sich nicht damit abfinden können, dass ein Leben einfach erlischt.

Osterlicht

Die Kerze ist auch das wichtigste Ostersymbol der Christen. In der Nacht vor Ostern wird sie an einem Feuer entzündet. In den Kirchen wird die gesamte Beleuchtung ausgeschaltet,und die brennende Kerze wird in die Kirche getragen. Es ist erstaunlich, dass eine einzige Kerze dafür sorgt, dass man auch in einem großenKirchenraum etwas sehen kann. Das ist für mich immer wieder ein beeindruckendes Zeichen für die Osterhoffnung der Christen, dass für Jesus von Nazareth der grausame Tod am Kreuz nicht das letzte Wort gewesen ist, sondern dass er von den Toten auferstanden ist. Die Osterkerze ist ein Zeichen der Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod. Diese Hoffnung bewahrt davor, Menschen das Lebenslicht auszuschalten oder zu akzeptieren, dasssie keinen Hoffnungsschimmer für ihrLeben haben. Sie macht solidarisch mit den Menschen, die nur noch Dunkelsehen und die keine Perspektivefür ihr Leben haben.

Bischof Ulrich Neymeyr, in: Pfarrbriefservice.de